
Rund um den Brustring
·3. April 2025
Der Stoff, aus dem Träume sind

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·3. April 2025
FINALE! Der VfB setzt sich gegen Leipzig durch und kehrt nach zwölf Jahren wieder ins Pokal-Endspiel nach Berlin zurück. Im Halbfinale zeigte die Brustring-Elf und ihr Trainer endlich wieder was in ihr steckt und hat jetzt die große Chance auf den ersten Titel seit 2007.
Wer Maxi Mittelstädt während des Pokalfights gegen den Arbeitgeber von VfB-Legende Mario Gomez beobachtet hatte, den konnte es nicht verwundern, dass der gebürtiger Berliner angesichts der anstehenden Rückkehr in seine Heimatstadt nach dem Spiel von seinen Emotionen überwältigt wurde. Mittelstädt schoß, Mittelstädt grätschte, Mittelstädt zündete ein sowieso schon heißes Stadion noch weiter an. Und stand damit stellvertretend für eine VfB-Mannschaft, die es zum ersten Mal seit Wochen schaffte, eine Führung zu verteidigen. Die ihre wenigen Chancen gegen wiedererstarkte Leipziger nutzte. Heißes Herz, kühler Kopf wäre auch eine mögliche Überschrift für diesen Spielbericht gewesen, denn es trifft genau die Eigenschaften, die man im Endspurt in der Bundesliga an den Tag legen muss — und speziell im Pokal-Halbfinale. Und wer so viel investiert, wer so kämpft, der wird dann auch dafür mit einem Spiel für die Geschichtsbücher belohnt. Neben Kampf und Einsatz darf man dabei auch nicht vernachlässigen, dass Mannschaft und Trainer die Ruhe behielten und kluge Entscheidungen trafen.
Denn Sebastian Hoeneß verordnete seiner Mannschaft zur Pause eine wesentlich engere Deckung der Leipziger Offensivspieler, die in der ersten Halbzeit verzweifelt versucht hatten, Alexander Nübel zu überwinden. Dass ihnen das nicht gelang, war zuvorderst eben Nübel zu verdanken, denn immer wieder erreichten Steckpässe wie Nadelstiche ihr Ziel vor dem Strafraum des VfB, der den Gästen viel zu viel Platz ließ. Nur an Alex Nübel war vor der Pause kein Vorbeikommen. Und auch der einzige Gegentreffer, eingeleitet durch eine zu kurze Kopfballabwehr des Kapitäns, ließ den VfB nicht lange wanken. An einem Tag, an dem der VfB aus fünf Ecken zwei Tore machte, stocherte der bis dahin glücklose Jamie Leweling, den ich schon ausgewechselt haben wollte, den Ball zur Entscheidung über die Linie. Und das war nicht der einzig traumhafte Moment in diesem Spiel.
Nehmen wir zum Beispiel das Traumtor von Angelo Stiller zur frühen Führung, der den Verteidigungsversuch der Leipziger in bester Hitzlsperger-Manier unter die Latte zimmerte. Oder das perfekte Zusammenspiel zwischen Ermedin Demirovic und Nick Woltemade beim 2:0, eine Kombination, wie wir sie uns seit Wochen erhoffen. Ein 18jähriger Finn Jeltsch, der so abgeklärt spielte, als würde er sein zehntes Pokal-Halbfinale bestreiten und nicht sein erstes. Ein Abwehr-Jeff Chabot, der Lois Openda und Benjamin Sesko ein ums andere Mal abkochte und so seinem Torhüter noch mehr Arbeit abnahm. Und überhaupt eine Mannschaft, die, das Ziel fest vor Augen, alles tat, um es auch zu erreichen.
Der Einzug ins Pokalfinale gegen Drittligist Arminia Bielefeld ist die Chance auf den ersten Titel seit 18 Jahren, vor allem aber auf die Krönung der bisherigen Amtszeit von Sebastian Hoeneß. Dass wir uns für die märchenhafte letzte Saison nicht mit einer Trophäe belohnen konnten, ist schon fast tragisch. Die Mannschaft hat jetzt die Chance, das nachzuholen. Dass die Arminia im Finale anders auftreten wird als auf ihrem Weg dorthin, ist nicht zu erwarten. Sie werden ein mindestens ebenso schwerer Gegner sein, wie es Leverkusen gewesen wäre — nicht auf dem Papier, aber in der magischen Atmosphäre eines Pokalfinals. Der VfB kann diesen Triumph gegen Leipzig jetzt als Initialzündung für die Liga nehmen. Und wenn wir in der Liga wieder in die Spur kommen, sehe ich uns auch gefestigt genug für das große Finale. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Vor zwei Jahren lautete unser Finale Relegation. Und jetzt können wir den Pott endlich wieder nach Stuttgart holen. Ein Traum!
Titelbild: © Alexander Hassenstein/Getty Images