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·3. April 2025
Die zehn überraschendsten Pokalfinalisten

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Der Einzug von Drittligist Arminia Bielefeld ins DFB-Pokalfinale darf getrost als Sensation bezeichnet werden. Warfen die Ostwestfalen doch gleich vier Bundesligisten raus, was noch kein unterklassiger Verein schaffte – zuletzt sogar den amtierenden Meister. So sensationell es war, ein Novum war es nicht. Das sind die Top Ten der überraschendsten Finalisten:
Es war die Sensation schlechthin in der Pokal-Historie. Jahrelang träumten die Fans von Hertha BSC von einem Finale im eigenen Stadion – und dann schafften es 1993 die „Hertha-Bubis“, von denen nur wenige später Karriere machten (wie Carsten Ramelow, der 2002 im WM-Finale stand). Die vorwiegend aus Talenten bestehende zweite Mannschaft, damals Drittligist (Oberliga Nordost/Mitte) eliminierte im Hurra-Stil gestandene Zweitligisten und im Viertelfinale mit dem 1. FC Nürnberg einen Bundesligisten. Trainer Jochem Ziegert arbeitete beim Finanzamt und konnte erst nach Feierabend üben lassen. Trotzdem schnupperten die Bubis, die entweder einen Job hatten oder studierten, an der Sensation gegen Bayer Leverkusen. Ulf Kirstens Tor nach 68 Minuten erlöste den Favoriten, aber Pokalsieger der Herzen waren die „Hertha-Bubis“.
Der Drittligist aus der Lausitz war 1997 in aller Munde: in 57 Pflichtspielen ungeschlagen, stieg er aus der Regionalliga Nordost erstmals in die 2. Liga auf – und warf nebenbei im Pokal drei Bundesligisten raus. Nach 5:4-Siegen im Elfmeterschießen gegen Duisburg und St. Pauli wurde der Karlsruher SC bei Schneeregen Mitte April im Halbfinale glatt 3:0 abgefertigt. Auch gegen den VfB Stuttgart hielt die Nobody-Elf von Ex-DDR-Nationalcoach Eduard Geyer tapfer mit, doch Giovane Elber schoss in seinem letzten Spiel für den VfB diesen im Alleingang zum Pokalsieg. Trainer war Joachim Löw. Energie feierte dennoch groß – als erster Finalist baute es am Stadion ein VIP-Zelt für seine Freunde auf.
Der ewige Fahrstuhlklub, vor drei Jahren noch erstklassig, kämpft in der 3. Liga um den Aufstieg – in der Verfolgerrolle. Mit gewissen Aussichten auf Platz drei. Im Pokal ist er seit Dienstag unter den besten Zwei, denn Arminia schaffte Einmaliges: vier Bundesligisten auszuschalten, das gelang keinem Drittligisten zuvor. Doch es hat ja auch keiner die „Alm“ im Rücken. Ausnahmslos in Heimspielen, wie es die Regel will, streckten hier der SC Freiburg, Union Berlin und Borussia Mönchengladbach die Waffen – und jetzt sogar Bayer Leverkusen, das in der Liga seit zwei Jahren auswärts ungeschlagen und noch amtierender Meister ist. Nun kennt ganz Deutschland die Pokal-Helden von Trainer Mitch Kniat.
Zum zweiten Mal überhaupt stand 2001 eine Berliner Mannschaft im Finale und wieder sah die große Hertha in die Röhre. Diesmal war es der Drittligist aus Köpenick. Der Kult-Verein des Ostens der Hauptstadt hatte sich mit fünf Heimsiegen, darunter mit dem VfL Bochum (1:0) aber nur ein Bundesligist, ins Finale manövriert gegen Vizemeister Schalke 04 und riskierte eine kesse Lippe. Torwart Sven Beuckert: „Wir wollen das Spiel schon nach 90 Minuten gewinnen.“ 64.000 D-Mark winkten jedem Berliner dafür. Doch Schalke setzte sich durch, Jörg Böhme glückte nach der Pause ein Doppelschlag (2:0). Union tröstete sich mit dem kurz zuvor vollzogenen Aufstieg in die 2. Liga.
Otto Rehhagel gegen seine alte Liebe – das war das Brisanteste an diesem einseitigen Finale von 1994 zwischen einem Top-Team der Bundesliga und dem feststehendem Absteiger aus der 2. Liga. Rot-Weiss Essen bestritt seit Wochen Freundschaftsspiele, weil die Lizenz für die laufende Saison entzogen worden war. Die Profis von Trainer Wolfgang Frank lebten nur noch für das Finale, das sie auch durch Losglück begünstigt erreichten. Nur gegen den MSV Duisburg (4:2) trafen sie auf einen Bundesligisten, Joker Jürgen Wegmann sorgte für die Entscheidung. Im Finale führte Werder zur Pause schon 2:0. Als Daouda Bangoura nach 50 Minuten Oliver Reck überwand, wurde es wieder spannend. Wynton Rufer sorgte erst spät für die Entscheidung. RWE nahm wenigstens die Einnahmen mit und kehrte nach zwei Jahren etwas gesünder in die 2. Liga zurück.
Zum vierten Mal in Folge schaffte es 1995 ein unterklassiger Klub ins Finale. Zweitligist VfL Wolfsburg hatte das Kunststück geschafft, bei zwei Bundesligisten zu gewinnen. In Frankfurt nach Elfmeterschießen, in Köln im Halbfinale mit 1:0 durch ein Tor von Siggi Reich. Im Finale wartete Borussia Mönchengladbach. Kurz zuvor hatte der VfL in Berlin (bei Hertha BSC) den Aufstieg verspielt, nun platzte auch der zweite Traum. Martin Dahlin, Stefan Effenberg und Heiko Herrlich in seinem letzten Spiel für Borussia schossen die Tore gegen überforderte Wölfe, die – und das war ihr fataler Fehler – noch kurz vor dem Finale den Trainer gewechselt hatten (Gerd Roggensack kam für Eckhard Krautzun).
In der Zweiten Liga liefen sie 1991/92 nur hinterher, landeten mit negativer Tordifferenz auf Platz Fünf in einer Zwölfer-Liga. Zu wenig für die Ansprüche in der Niedersachsen-Metropole, weshalb Trainer Michael Lorkowski nach der Saison seinen Job verlor. Dabei ging er als Pokalsieger – typisch Hannover!
Im Elfmeterschießen waren die Roten jedenfalls erstklassig und warfen im Halbfinale Titelverteidiger Werder Bremen raus. Torwart Jörg Sievers hielt einen Elfmeter und erzielte das entscheidende Tor selbst. Im Finale gegen Borussia Mönchengladbach gewann Sievers auch das Duell der Elfmeter-Töter gegen Kollege Uwe Kamps mit 2:1 (nach gehaltenen Bällen), Karl-Heinz Pflipsen und Holger Fach scheiterten am Zweitliga-Torwart. Also gewann mit Hannover 96 zum ersten und bisher einzigen Mal ein unterklassiger Verein ein Pokal-Finale. Dabei hatten sie als Motto ausgegeben: „Wenn schon verlieren, dann mit Anstand.“
Die Aachener hatten am Tivoli Bayern (2:1) und Gladbach (1:0) rausgeworfen und erreichten 2004 erneut als Zweitligist das Finale (nach 1965). Trainer Jörg Berger, eigentlich ein bewährter Feuerwehrmann im Abstiegskampf, bewies einmal mehr seine besonderen Fähigkeiten als Motivator. Gegner Werder Bremen stand als Meister fest und war turmhoher Favorit. Er sorgte vor der Pause durch Tim Borowski und Ivan Klasnic für eine 2:0-Führung. ZDF-Experte Franz Beckenbauer sagte schon: „Wir können nach Hause gehen.“ Doch Stefan Blank, der im Viertelfinale schon Bayern-Keeper Oliver Kahn mit einem 32-Meter-Schuss düpiert hatte, brachte Aachen heran. Erst ein zweites Borowski-Tor (84.) entschied das Finale, Aachens Erik Meijer, heute Sky-Experte, verkürzte in der Schlussminute. Auf dem Aachener Rathausmarkt wurden die Verlierer dennoch gefeiert – wie jeder David, der sich Goliath in den Weg stellt.
Der VfL Bochum war 1968 noch eine unbekannte Fußballgröße. In der Bundesliga hatte er noch nie gespielt, in der zweitklassigen Regionalliga West war er auf Platz sechs eingelaufen. Doch er hatte einen Trainer, der schon zwei Mannschaften ins Pokalfinale geführt hatte: Hermann Eppenhoff, ein Schalker Meisterspieler zu Kuzorras Zeiten. Unter seiner Leitung warf der VfL, ausnahmslos in Heimspielen, vier Bundesligisten raus, zuletzt im Halbfinale die Bayern (2:1). Doch zum Finale gegen den 1. FC Köln mussten sie ihr Ruhrstadion verlassen und nach Ludwigshafen. Diese Aufgabe erwies sich dann als eine Nummer zu groß. Fatal war, dass der VfL zunächst durch Jablonski ein Eigentor schoss und unmittelbar nach dem Ausgleich durch Böttcher wieder in Rückstand geriet. Carl-Heinz Rühl (2) und Hannes Löhr schossen die Tore für den Sieger und die Stars jener Tage zogen ein großes Spiel auf. „Das Mittelfeld gehörte Overath-Flohe“, titelte das Sport Magazin. Doch Eppenhoff war stolz darauf, „dass wir beweisen konnten, dass wir nicht unberechtigt das Endspiel erreicht hatten.
In der 2. Liga wurden sie Siebter, in der Bundesliga hatte man sie noch nie gesehen. Auf deren Vertreter trafen sie nur im Pokal, 1986/87 etwas häufiger als sonst. Nach drei Auswärtssiegen bei Zweit- und Drittligisten eliminierten sie im heimischen Degerloch Eintracht Frankfurt (3:1) und Fortuna Düsseldorf (3:0). So stand die Elf von Trainer Dieter Renner an einem Juni-Samstag plötzlich im riesigen Olympiastadion und traf auf den damals auch noch riesigen HSV, bei dem eine Ära standesgemäß zu Ende ging. Der große Ernst Happel saß letztmals auf der HSV-Bank und seine Spieler schenkten ihm zum Abschied den Pokal. Der wackere Zweitligist Kickers Stuttgart mimte lange den Spielverderber. Dirk Kurtenbach brachte die Blauen nach 13 Minuten gar in Führung und nach Dietmar Beiersdorfers sofortigem Ausgleich blieb das Spiel bis kurz vor Schluss offen. Da legte sich Manfred Kaltz in der 87. Minute den Ball zum Freistoß zurecht. Alles rechnete mit einer seiner berühmten Bananenflanken, doch Kaltz überlistete Torwart Armin Jäger mit einem Schlenzer ins kurze Eck. Jäger erklärte: „Dass er flankt haben 76.000 Leute im Stadion gedacht, warum sollte ich da was anderes annehmen? Im letzten Augenblick hab ich dann gesehen dass der Kaltz was anderes vorhat, aber da war’s schon zu spät.“ Ein Eigentor sorgte für den Endstand und Kickers-Trainer Renner schwäbelte fatalistisch: „So isch Fußball.“ Günter Netzer lobte den Verlierer immerhin in seiner Kicker-Kolumne: „Ich ziehe meinen Hut vor den Stuttgarter Kickers.“