
Vertikalpass
·3 de abril de 2025
Knocking On Hoeneß’ Door

In partnership with
Yahoo sportsVertikalpass
·3 de abril de 2025
Nur noch ein Spiel und der VfB ist im siebten Himmel. Und wer hat ihn dahin gebracht? Sebastian Hoeneß.
Der Trainer rief das „Spiel des Jahres“ aus, erzeugte eine enorme Fallhöhe, vergleichbar mit dem Spiel gegen Paris St. Germain. Es war also unheimlich viel Druck auf dem Spiel. Doch sowohl er als auch seine Mannschaft hielten den Druck aus, benötigten viel Glück und zogen ins DFB-Pokal-Finale ein. Hoeneß ist heute genau zwei Jahre beim VfB und hat Unglaubliches erreicht: von Platz 18 in die Relegation eingezogen und souverän gewonnen, Vizemeisterschaft, Champions-League und jetzt fährt er nach Berlin. Wieder so ein Ziel, zu dem nach all’ der Scheiße gereist werden kann.
Der VfB hat in den letzten sieglosen Wochen viele Spiele gemacht, die nicht ganz so schlecht waren, wie sie gemacht wurden. Aber es fehlte immer etwas: mal war es Glück, mal Konsequenz, es gab zu viele individuelle Fehler, die von den Mitspielern nicht ausgebügelt werden konnten. Es wurden auf und außerhalb des Felds falsche Entscheidungen getroffen oder der Spielverlauf meinte es nicht gut mit dem VfB.
Gegen Leipzig macht der VfB ein Spiel, das nicht ganz so gut ist, wie es der Einzug ins Finale vielleicht suggeriert. Das phänomenale frühe 1:0 durch Angelo Stiller („Den Ball treffe ich in meinem Leben nie wieder so“) sollte dem Team entgegen kommen, zumal das Stadion in Champions League-Form war und sich von seiner besten (sprich: lautesten) Seite zeigte. Der VfB gibt jedoch das Spiel aus der Hand, lässt Leipzig zu viel Platz und verhindert viele linienbrechende Pässe nicht.
Den Ausgleich verhindern dagegen in erster Linie Alex Nübel und Jeff Chabot. Der zuletzt wacklige Nübel mit drei überragenden Saves gegen Lois Openda und einer Flugeinlage gegen Xavi Simons Schlenzer, die bei „Let’s dance“ sicher die Höchstpunktzahl bekommen hätte. Chabot blockte jeden Schuss, wahrscheinlich hätte er auch einen einfahrenden ICE im Strafraum des VfB mit seinem grimmigen Blick aufgehalten.
In der ersten Halbzeit und auch teilweise in der zweiten Halbzeit präsentierte sich der VfB viel zu fahrig, zu wild, zu unkoordiniert. Bälle wurden nur nach vorne geschlagen, Ballgewinne zu schnell wieder verloren, es wurde geflippert. Aber unübersehbar war: Das Team hochmotiviert, es verteidigte leidenschaftlich, warf sich in Bälle, übertrieb es zwar in vielen Szenen, zeigte aber eine überragende Willensleistung gegen ein starkes Leipzig.
Auf den Kontrollverlust in der ersten Halbzeit reagierte Hoeneß mit einer Anpassung, ließ in der zweiten Hälfte deutlich mannorientierter spielen. “Mit ihrem neuen System 4-2-2-2 kamen wir bis zur Pause nicht so gut zurecht“, so Hoeneß. Durch seine Umstellungen bekam VfB mehr Zugriff, auch wenn Leipzig sich immer wieder ansehnlich nach vorne kombinieren konnte.
Aber man sah im Stadion und vor dem TV, wie die VfB-Spieler gemeinsam verteidigten, gemeinsam angriffen. Beim 2:0 sahen alle, was es heißt und wie es geht, zusammen zu spielen. Ermedin Demirovic löste das Pressing aus, koordinierte die rechte Seite nach vorne. Genau in diesen Bereich kam der Ball, den Finn Jeltsch eroberte, zu Jamie Leweling schob, der auf Demirovic passte. Der Mittelstürmer spielte einen doppelten Doppelpass mit einer genialen gezwirbelten Vorlage, die Nick Woltemade cool einnetzte. So geht Fußball spielen.
Zum nicht ganz optimalen Spiel des VfB und zu den letzten Wochen passte das 2:1 von Benjamin Sesko. Wie gegen Leverkusen wurde der Ball nach einer Ecke mehrfach geklärt. Mehrfach kam er zurück, bis er endlich im Tor lag. Kurz sah es so aus, als ob Leipzig das Momentum auf seine Seite ziehen könnte, bis Leweling erneut nach einem Eckball das 3:1 ins Tor wurschtelte. Spätestens jetzt wird auf der Tribüne in Mario Gomez und Jürgen Klopp die Erkenntnis gereift sein, dass sie heute zwar am richtigen Ort waren, am nächsten Tag aber an den falschen zurückkehren müssen.
Ein Schlüssel zum Sieg war Emotion. Emotional Leader in diesem Halbfinale: Maximilian Mittelstädt. Er legte wie immer alles rein, was er hatte und riss Mitspieler und Zuschauer mit. Wie überhaupt alle, die in den letzten Wochen kritisiert wurden und denen vorschnell und zu Unrecht die Qualität abgesprochen wurde, im Halbfinale lieferten. Nach dem Spiel zeigte sich Mittelstädt als gebürtiger Berliner sichtlich gerührt, ein Traum geht in Erfüllung. Wie auch für Hoeneß, der seine Zurückhaltung ablegte und für seine Verhältnisse regelrecht abging. Womöglich versteckt sich in ihm ein Feierbiest.
Wir fragten am Wochenende: Wie kommt der VfB aus dem Negativlauf heraus?
Vielleicht mit dem Einzug ins Pokalfinale. Wir werden in Bochum sehen, ob der VfB die Reife hat, nach dem Erfolgserlebnis in einem nicht unkomplizierten Spiel anne Castroper zu bestehen.
Zum Weiterlesen: Auf sportschau.de beschreibt Johannes Holbein, wie Sebastian Hoeneß den VfB vom „Verein für Baustellen“ wieder zum „Verein für Begeisterung“ gemacht hat.
Die Süddeutsche Zeitung meint, dass der VfB „Dank frühem Tor und später Leichtigkeit“ ins Finale eingezogen ist.
Zum Weiterschauen: Wer die Zusammenfassung nochmal anschauen will. Wird bei mir wohl in Heavy Rotation laufen bis zum Finale.
Du willst künftig Vertikalpost bekommen? Der Newsletter kommt nicht jeden Tag und nervt nicht, versprochen.
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images